Was ist Fundamentalanalyse?

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Ein Kommentar in der Börsen-Zeitung vom 14.03. ist mir aufgefallen. Darin heißt es: "Der Aktienmarkt - das kann diagnostiziert werden - hat sich nahezu komplett von den Fundamentaldaten losgelöst. Analysten und Strategen hatten keine Chance, das Ausmaß der Hausse vorherzusehen, weil dir herkömmlichen Maßstäbe, mit denen das Aufwärtspotenzial zu ermitteln versucht wird, einfach nicht greifen bzw. zurzeit irrelevant sind."

Mal abgesehen davon, dass die Masse der Strategen ohnehin das Ausmaß von Kursbewegungen regelmäßig nicht einschätzen kann, frage ich den Autor dieses Kommentars: "Was ist eigentlich Fundamentalanalyse?"

Solche Formulierungen wie im oben stehenden Kommentar, werden immer wieder von Analysten oder Journalisten gewählt. Doch was drücken diese aus? Warum konnte man aus Sicht des Kommentarschreibers einerseits das Potenzial des DAX nicht abschätzen, jetzt aber genau diagnostizieren, dass der DAX überbewertet ist?

Was genau heißt es eigentlich, eine Anlage fundamental zu bewerten? Man könnte darunter z.B. verstehen, eine Aktie anhand der künftigen Gewinne bzw. Dividenden zu bewerten. Dazu braucht es ein Modell, z.B. das Dividend-Discount-Model. Und in diesem Modell muss ich neben den künftigen Gewinnen auch einen Zinssatz zur Diskontierung wählen. Und erklärt sich der steigende Aktienmarkt damit nicht einfach aus den gesunkenen Zinsen?!

Fundamentalanalyse kann auch meinen, einen Markt anhand wichtiger Wirtschaftsfaktoren zu analysieren. Gibt es wichtigere Faktoren als den Marktzins und die Geldpolitik der Notenbanken? Und steigen nicht die Konjunkturfrühindikatoren - und damit die Gewinnaussichten der Unternehmen?

Liebe Kommentarschreiber, der DAX-Anstieg ist "fundamental" sehr wohl erklärbar. Aber nur dann, wenn man als Kommentator und Analyst auch seine Verantwortung akzeptiert, sich auf relevante Marktfaktoren zu konzentrieren und den Antizipationsmechanismus der Börse zu akzeptieren. Letzteres heißt, sich vorzustellen wie die Welt in einigen Monaten aussehen wird - und nicht wie sie heute aussieht oder gar die Bewertung auf Basis des Blicks in den Rückspiegel vorzunehmen.

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